Zukunft seit 1922

Im Oktober 1922 nahm das „Forschungsinstitut und Probieramt für Edelmetalle“ seine Arbeit auf. In einer Zeit, als die Edelmetallindustrie in Schwäbisch Gmünd mit immensen materiellen und finanziellen Belastungen zu kämpfen hatte und dringend auf Unterstützung seitens der Wissenschaft angewiesen war. Schon damals zeichnete sich das Institut durch seine Unabhängigkeit und die anwendungsorientierte Forschung für Wirtschaft und Industrie aus. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auf Initiative von Vertretern der Gmünder Edelmetallindustrie und des damaligen Leiters der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe, Professor Walter Klein, wurde der „Verein für die Probier- und Forschungsanstalt für Edelmetalle in Gmünd e.V.“ Ende 1921 ins Leben gerufen. Knapp ein Jahr später wurde das Institut mit Laboratorien, Bibliothek und Studierzimmern in den Räumen der Fachschule feierlich eröffnet. Gemäß der Vereinssatzung war seine Aufgabe die Unterstützung der örtlichen Industrie in allen Fragen der Untersuchung und Bearbeitung von edlen und unedlen Metallen. 1926 wurde das Institut um die Abteilung „Galvanotechnik und Metallfärbung“ erweitert. Rückblickend betrachtet eine richtungsweisende Entscheidung, gehört doch die Galvanotechnik bis heute zu den zentralen Forschungsgebieten des fem.

Schon Ende der 1920er wurde es eng in den Räumen der Fachschule. 1937 begann das Land damit, umfangreiche Neubauten auf deren Gelände zu errichten, die nach einer kriegsbedingten Unterbrechung erst 1948 bezogen werden konnten. Aber auch aus diesen Räumen wuchs das Institut schnell heraus. Prof. Dr. Ernst Raub, der 1928 ans Institut kam und 1934 die Leitung übernahm, machte das Institut zu einer bedeutenden und weltweit anerkannten Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Edelmetalle. Die organisatorische Abnabelung von der Fachschule und ein eigenes, unabhängiges Gebäude für die zahlreichen Laboratorien und über dreißig Mitarbeiter war die konsequente Folge der vielversprechenden Entwicklung des Instituts. Das erkannten auch auch das Kultus- und das Finanzministerium des Landes, die 1954 mit der Standortsuche und Planung begannen. Nach zwei Jahren Bauzeit folgte 1958 der Auszug aus der Fachschule (heute: Hochschule für Gestaltung, HfG) und der Einzug in den für 1,5 Millionen Mark errichteten Neubau in der Katharinenstraße. Hier befindet sich das Forschungsinstitut bis heute. Mit den Aufgaben änderte sich auch der Name: Aus der Probier- und Forschungsanstalt wurde 1957 das „Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie“, kurz fem.

Die folgenden vier Jahrzehnte baute das Institut seine Kompetenzen auf dem Feld der Werkstoffwissenschaften und Oberflächentechnologie kontinuierlich aus. Mit dem Aufbau der neuen Abteilungen Analytik, Aluminium-Oberflächentechnologie und Physikalische Oberflächen- und Dünnschichttechnologie trug das Institut dem technologischen und industriellen Wandel Rechnung und erweiterte seine interdisziplinären Forschungsmöglichkeiten und akkreditierten Dienstleistungsangebote in erheblichem Umfang. 1971 ging die Leitung des Instituts vom Vater auf den Sohn über. Professor Dr. Christoph J. Raub prägte die Geschicke des Hauses fast 25 Jahre lang. 1995 übernahm Dr. Hermann Jehn gemeinsam mit Dr. Andreas Zielonka die Leitung. Seit 2001 ist Dr. Zielonka alleiniger Institutsleiter.

Nachdem der markante Klinkerbau in der Katharinenstraße von 1997 bis 2000 aufwendig renoviert und mit einer neuen Haustechnik und modernen Geräten ausgerüstet wurde, folgte drei Jahre später die Einweihung des Verwaltungsanbaus. Das 2011 eröffnete Applikationstechnikum stellt die bislang letzte bauliche Erweiterung des Instituts dar: Hier finden sich neben Büros zahlreiche hochflexible Labors für praxisnahe Forschungsaufbauten, die Elektronenmikroskopie sowie die über 60 Tonnen schwere Anlage für hochauflösende Röntgen-Computertomographie.

Die vergangenen neun Jahrzehnte erlebten so viele wirtschaftliche und technologische Umbrüche wie nie zuvor. Auch das Gmünder Forschungsinstitut musste sich immer wieder anpassen und auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Eine kluge und vorausschauende Führungs- und Forschungsarbeit, die Kontinuität und Flexibilität gleichermaßen berücksichtigt, war und ist bis heute die Grundlage für den Erfolg des fem.
 


CHRONIK

1922
Einweihung des Forschungsinstituts mit den Arbeitsgebieten Edelmetalle und  Elektrochemie/Galvanotechnik an der Staatlichen Höheren Fachschule

1926
Gründung einer Galvanotechnischen Musterwerkstätte

1938
Neubau für die Staatlichen Höheren Fachschule und das Institut

1958
Neubau in der Katharinenstraße

1965
Gründung der Abteilung Umweltanalytik

1977
Gründung der Abteilung Aluminium-Oberflächentechnologie

1989
Gründungsmitglied der European Academy of Surface Technology (east)

1989
Gründung der Abteilung Physikalische Oberflächen- und Dünnschichttechnologie (PVD)

1996
Anerkennung als akkreditiertes Prüflabor nach DIN EN 45001 (DAP)

1998
Übernahme und Einweihung des völlig renovierten Anbaus mit 350 qm neuen Labor- und Büroräumen

2000
Vollständige Renovierung des Institutsgebäudes von 1958

2003
Einweihung und Bezug des Verwaltungsanbaus

2004
Die Abteilung Plasma-Oberflächentechnik – Materialphysik entsteht durch die Zusammenlegung der  Abteilungen PVD und Materialphysik

2008       
Erfolgreiche Evaluierung durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

2010       
Inbetriebnahme des 3D-Röntgen-Computertomographen

2010       
Verleihung des Zertifikats „audit berufundfamilie“

2011       
3. Re-Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025

2011       
Einweihung und Bezug des Applikationstechnikums

2014
Neue Forschungsschwerpunkte: Additive Fertigung und Batterieforschung